1. Preis in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen: ComTS Gesellschaften

Interview mit Andreas Keuchel, Group Human Resources, Commerzbank

Fotoquelle: Deutscher bAV-Preis

Beitrag als PDF (Download)

Herr Keuchel, die ComTS-Gesellschaften gehören zur Commerzbank.

Andreas Keuchel: Ja, die ComTS-Gesellschaften agieren als Servicegesellschaften für die Commerzbank und sind jeweils 100-prozentige Töchter. Die sieben Einzelgesellschaften sitzen in Halle, Magdeburg, Erfurt, Duisburg und Hamm. Sie erledigen für uns zum Beispiel viele Backofficeprozesse wie Mail-Services, Dokumentenmanagement, Zahlungsverkehr und andere Banking-Services. Insgesamt beschäftigen die ComTS-Gesellschaften fast 2.000 Mitarbeiter. Und für diese Beschäftigten haben wir nun eine neue betriebliche Altersversorgung (bAV) entwickelt und eingeführt.

Hat ComTS bereits früher eine bAV angeboten?

Andreas Keuchel: Nein, wir führen jetzt erstmals ein eigenes bAV-Modell ein. Der ComTS lag eine attraktive Altersversorgung für ihre Mitarbeiter zwar schon lange am Herzen. Bei der Prüfung verschiedener Altersversorgungsmodelle stellte sich allerdings heraus, dass Mitarbeiter mit geringerem Einkommen nach 40 Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung gerade einmal Grundsicherungsniveau erreichen. Insofern wäre eine bAV auf die Grundsicherung angerechnet worden. Erst durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) wurde es möglich, eine arbeitgeberunterstützte Altersrente per Entgeltumwandlung in Höhe von rund 100 Euro monatlich anrechnungsfrei anzubieten. Als dieser Paradigmenwechsel absehbar war, hat die ComTS ihre Überlegungen wieder aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Dieses Modell ist nun ganz eng am Bestand und an den Bedarfen unserer Mitarbeiter ausgerichtet. Es fördert insbesondere Mitarbeiter mit Kindern, was uns wichtig war.

Hätten Sie nicht einfach den bAV-Plan der Commerzbank übernehmen können?

Andreas Keuchel: Natürlich wäre es für uns theoretisch möglich gewesen, den bAV-Plan der Commerzbank über den BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes auch für die ComTS zu übernehmen. Doch dieser Plan sieht unter anderem obligatorische Beiträge der Arbeitnehmer vor. Angesichts der Mitarbeiter- und Gehaltsstrukturen bei der ComTS ist es fraglich, ob wir damit eine hohe Zufriedenheit bei den Mitarbeitern erzielen könnten. Hinzu kommt, dass die ausschließlich steuerliche Förderung unserer Mitarbeiter bei dieser Variante der Altersvorsorge voraussichtlich gering wäre, da die Kollegen im Durchschnitt keine so hohe Lohnsteuer entrichten müssen. Deshalb ist eine betriebliche Riesterrente im Hinblick auf die Zulagenförderung für die Mitarbeiter der ComTS sinnvoller.

Wie sieht das bAV-Modell der ComTS-Gesellschaften aus?

Andreas Keuchel: Wir haben im Dezember 2018 ein Riestermodell für eine Entgeltumwandlung eingeführt. Dabei zahlt der Mitarbeiter Beiträge aus dem Nettogehalt und erhält dafür eine monatliche Zulage von 30 Euro von der ComTS. Sofern der Mitarbeiter nur den Mindestbeitrag von 30 Euro als Wandlung vereinbart, trägt der Arbeitnehmer nur die Beiträge zur Sozialversicherung und die Steuern. Hier ein konkretes Beispiel: Arbeitnehmer wandelt monatlich 30 Euro Entgelt für die Altersvorsorge um. Der Arbeitnehmer trägt die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge und die Steuern in Höhe von rund 10 Euro. Wenn der Arbeitnehmer ein Kind hat, bekommt er Riesterzulagen in Höhe von insgesamt monatlich 40 Euro. Somit hat er monatlich unter dem Strich 10 Euro für die Altersvorsorge aufgewendet, aber schon 70 Euro in seinem Vertrag. Auf das Jahr gerechnet, wird auf diesem Weg ein Beitrag von über 800 Euro eingezahlt. Bei der zu erwartenden Rentenhöhe ist die Rente steuer- und SV-frei.

Was passiert mit der betrieblichen Riesterrente bei einem Arbeitgeberwechsel?

Andreas Keuchel: Bei einem Arbeitgeberwechsel hat der Mitarbeiter dann die Chance, sein Vorsorgekonto bei der Pensionskasse via privatem Riesterrentenvertrag weiterhin kontinuierlich zu besparen. Dabei bietet ihm unser Modell bei einem Arbeitgeberwechsel den Vorteil, den Vertrag ohne neue Gebühren oder Verwaltungskosten fortführen zu können. Allerdings sollte sich der Mitarbeiter relativ bald entscheiden. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte der ehemalige Mitarbeiter nur mit den dann aktuellen Tarifkonditionen wieder versichert werden, wobei auch in diesem Fall keine zusätzlichen Gebühren oder Verwaltungskosten erhoben werden.

Führen Sie das Modell mit dem BVV durch?

Andreas Keuchel: Ja, das Modell wird über die Pensionskasse des BVV für die ComTS-Gesellschaften umgesetzt. Der BVV ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, der die Gebühren für Riesterrenten anders als normale Versicherungsgesellschaften kalkuliert. Dadurch ergibt sich eine höhere Rente für die ComTS-Mitarbeiter. Diese haben die Möglichkeit, flexible Beiträge zu entrichten. Sie müssen mindestens die genannten 30 Euro und können maximal 160 Euro umwandeln, wobei sich der Höchstbetrag an den Steuerfreiheitsgrenzen für die Arbeitnehmerbeiträge orientiert.

Wie sieht es mit der Förderung für Geringverdiener aus?

Andreas Keuchel: Natürlich ist sie für Kollegen mit einem geringeren Gehalt interessant, doch die Förderung laut BRSG endet schon bei einem Gehalt von 2.200 Euro. Wir wollen aber die Kollegen nicht ausschließen, die über dieser Grenze liegen. Deshalb ist unser Ziel, jedem Mitarbeiter eine einheitliche Zielrente von 100 Euro, die niemand dem Rentner wegnimmt, bei Anrechnungsfreiheit bezüglich der Grundsicherung in Aussicht zu stellen.

Wie ist das Feedback der Mitarbeiter auf die neue bAV?

Andreas Keuchel: Für konkrete Zahlen zur Teilnahmequote ist es noch zu früh, denn wir haben erst im Februar und März rund 20 Roadshows in den ComTS-Gesellschaften durchgeführt. Die Termine waren gut besucht, die Diskussionen lebhaft. Auch stellen manche Beschäftigten detaillierte Fragen zu einzelnen Lebenslagen, die wir individuell mit ihnen klären. Manche Mitarbeiter sorgen beispielsweise bereits über eine private Riesterrente vor. Sie fragen uns, ob sie beide Verträge miteinander kombinieren können. Tatsächlich lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen zwei Riesterverträge miteinander kombinieren.

Das Interview führte Dr. Guido Birkner.