2. Preis in der Kategorie Kleine und ­mittlere Unternehmen: KraussMaffei

Interview mit Jutta Wenzl, Leiterin Global HR, KraussMaffei

Fotoquelle: Deutscher bAV-Preis

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Frau Wenzl, welche betriebliche Altersversorgung hat KraussMaffei bislang angeboten?

Jutta Wenzl: Bei der abgelösten bAV handelt es sich um eine ausschließlich durch KraussMaffei finanzierte Leistungszusage auf Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten im Durchführungsweg der Direktzusage. Daneben besteht für die Mitarbeiter die Möglichkeit, tarifvertragliche AVWL-Beiträge sowie Eigenbeiträge über die Brutto-Entgeltumwandlung in das Branchenversorgungswerk MetallRente einzubringen.

Warum hat Krauss Maffei seine bAV neu gestaltet?

Jutta Wenzl: Mit dem neuen Pensionsplan möchten wir für unsere Mitarbeiter ein attraktives Altersversorgungsmodell anbieten, welches die Eigenbeteiligung belohnt und dadurch das Leistungsniveau der abgelösten Zusage signifikant erhöht. Vorausgegangen war eine Analyse zum Status quo der bAV im Spätherbst 2017 gemeinsam mit einer Beratungsgesellschaft. Die Analyse ergab, dass die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, während das bAV-Modell von den meisten Mitarbeitern nicht angenommen wurde. Die fehlende Attraktivität ließ sich unter anderem an den niedrigen Teilnahmequoten für die Inanspruchnahme der AVWL-Beiträge sowie für die Eigenvorsorge ablesen.

Wie sieht das neue Modell für die betriebliche Altersversorgung aus?

Jutta Wenzl: Mit dem neuen bAV-Modell wurde die bisherige Leistungszusage vollständig abgelöst und durch eine kongruent rückgedeckte Direktzusage ersetzt. Wirtschaftlich ist damit eine Behandlung als Defined Contribution im Sinne der internationalen Rechnungslegungsvorschriften gegeben, was zur gewünschten Bilanzneutralität und damit zur langfristigen Kalkulierbarkeit der Kosten führt. Für alle neu in das Unternehmen eintretenden Mitarbeiter sieht der Pensionsplan 2018 eine reine Mischfinanzierung im Rahmen eines Matching-Modells vor. Als Leistung wird das zugesagt, was aus Arbeitgeberbeiträgen über eine Rückdeckungsversicherung finanziert wird. Das Matching funktioniert so: Leistet ein Mitarbeiter Eigenbeiträge in bestimmter Höhe in das Branchenversorgungswerk MetallRente, dann zahlt KraussMaffei denselben Betrag als Arbeitgeberbeitrag. Mitarbeitern, die Anwartschaften aus dem bisherigen bAV-Modell erworben haben – also über den sogenannten Past Service –, wird selbstverständlich der Besitzstand gewährt. Zudem erhalten sie einen individuell ermittelten dynamischen Arbeitgeberbeitrag, der zur wertgleichen Ablösung führt. Ergänzend besteht auch für diese Mitarbeiter die Möglichkeit, am Matching-Modell teilzunehmen und somit das ursprüngliche Versorgungsniveau deutlich zu erhöhen. Der Pensionsplan 2018 berücksichtigt darüber hinaus die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter durch flexible Ausgestaltung bei der Kapitalanlage der Vorsorgeprodukte sowie attraktive Wahlmöglichkeiten bezüglich der Berufsunfähigkeits- und Todesfallabsicherung.

Wer von Ihren Mitarbeitern ist berechtigt, am neuen bAV-Modell teilzunehmen?

Jutta Wenzl: Der Pensionsplan 2018 gilt grundsätzlich für alle aktiven Tarif- und außertariflichen Mitarbeiter von KraussMaffei. Neu in das Unternehmen eintretende Mitarbeiter werden nach einer Wartezeit von sechs Monaten in den Pensionsplan aufgenommen.

Wie flexibel ist das Modell hinsichtlich Beiträge und Leistungen?

Jutta Wenzl: Alle neuen Mitarbeiter sind in ihrer Entscheidung frei, ob sie am Pensionsplan 2018 teilnehmen. Für das Matching ist ein Mindestbeitrag erforderlich, der sich prozentual am Gehalt orientiert. Darüber hinaus kann jeder Mitarbeiter selbstverständlich Entgeltumwandlung betreiben. Auf umgewandeltes Entgelt zahlt KraussMaffei den 15-prozentigen Zuschuss nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz. Die Entgeltumwandlung kann der Mitarbeiter kurzfristig ändern. Die Berufsunfähigkeitsrente und das Todesfallkapital kann der Mitarbeiter initial jederzeit hinzuwählen. Er kann auch die Leistungen erhöhen, wenn sich seine Lebenssituation beispielsweise aufgrund einer Heirat oder der Geburt eines Kindes verändert. Als Altersleistung ist für den Arbeitgeberbeitrag ein Kapital vorgesehen. Bei der Leistung aus der Entgeltumwandlung und AVWL ist die Wahl zwischen einer Altersrente oder einem einmaligen Kapital möglich.

Wie kommt das neue bAV-Modell bei den Mitarbeitern an?

Jutta Wenzl: Der Pensionsplan 2018 wurde bereits in der initialen Umsetzungsphase hervorragend angenommen. In den ersten vier Wochen nach dem Roll-out erreichten wir eine Teilnahmequote beim neuen Matchingmodell von 76 Prozent. Die darüber hinausgehende Beteiligung am Modell der Entgeltumwandlung über die MetallRente konnte von 16 Prozent auf 45 Prozent ausgebaut werden. Der Anteil der Mitarbeiter mit AVWL schnellte auf 76 Prozent hoch.

Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Jutta Wenzl: Zunächst ist es das neue bAV-System, das den Mitarbeitern attraktive Leistungen bietet und durch das Matching einen deutlichen Anreiz für ihre Eigenvorsorge gibt. Zentral waren unsere Kommunikationsmaßnahmen. Ein Mix unterschiedlicher Mittel war der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Dies bestand aus individuellen Mitarbeiterschreiben, Infoflyern, viele Gruppenveranstaltungen, eine gut erreichbare und kompetente telefonische Hotline sowie einem Online-bAV-Portal. Dieses ist so individualisiert gestaltet, dass jeder Mitarbeiter nur das entscheiden kann, was für ihn relevant ist. Damit wurde das schwierige Thema betriebliche Altersversorgung verständlich und in kurzer Zeit umsetzbar.

Welche Ziele verfolgt KraussMaffei mit der bAV hinsichtlich Mitarbeitergewinnung und -bindung?

Jutta Wenzl: Der Pensionsplan 2018 ist ein integraler Bestandteil unserer Gesamtvergütungsstrategie. Wir haben ein attraktives betriebliches Altersversorgungsmodell geschaffen. Die Wertschätzung für den neuen Pensionsplan sowie das positive Feedback unserer Mitarbeiter, die allesamt eindrucksvoll an den Beteiligungsquoten abzulesen sind, zeigt uns, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

Das Interview führte Dr. Guido Birkner.