3. Preis in der Kategorie Großunternehmen: Siemens

Interview mit Daniel Eppinger, Corporate Pension Manager, Siemens AG

Fotoquelle: Deutscher bAV-Preis

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Herr Eppinger, Siemens hat das eigene bAV-Portfolio für die Mitarbeiter um eine neue Entgeltumwandlungsvariante erweitert. Wie sieht die Innovation konkret aus?

Daniel Eppinger: Nachdem wir 2002 nach dem Inkrafttreten des Altersvermögensgesetzes ein erstes Modell der Entgeltumwandlung eingeführt haben, legen wir jetzt mit einem innovativen Modell nach. Zum einen bieten wir eine Brutto-Entgeltumwandlung an. Dabei ziehen wir die Beiträge vom monatlichen Bruttogehalt ab und führen sie der bAV zu. Die Beiträge sind erst später ab dem Zeitpunkt des Leistungsbeginns sozialversicherungs- und steuerpflichtig. Zum anderen bieten wir eine betriebliche Riesterrente an. Dank des Betriebsrentenstärkungsgesetzes ist die betriebliche Riesterrente attraktiver geworden, weil in der Rentenphase keine Sozialabgaben mehr erhoben werden. Beide Alternativen stehen den Beschäftigten zur Verfügung.

Wie flexibel lassen sich die Beiträge aus der Sicht der Mitarbeiter steuern?

Daniel Eppinger: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Entgeltumwandlung online selbst zu steuern. Dabei können sie sich zwischen der Bruttovariante und der Riesterrente entscheiden und jederzeit die Höhe der monatlichen Beiträge verändern oder die Beitragszahlung vorübergehend aussetzen – wie es ihnen finanziell und persönlich zusagt. Neben der Entgeltumwandlung können die Beschäftigten noch die Zusatzoptionen Berufsunfähigkeitsversicherung und Hinterbliebenenschutz hinzuwählen.

Der Mitarbeiter entscheidet also selbst, welche der beiden Varianten der Entgeltumwandlung für ihn günstiger ist?

Daniel Eppinger: Ja, aber wir unterstützen ihn dabei mit einem Optimierungsrechner, den wir zusammen mit einer Versicherung entwickelt haben und unseren Beschäftigten über unser Online-Firmennetzwerk zur Verfügung stellen. Ein Mitarbeiter gibt eine Reihe von Parametern in den Optimierungsrechner ein, etwa sein Alter, die Anzahl der Kinder und seinen gewünschten Monatsbeitrag. Dann ermittelt der Optimierungsrechner eine individuelle Empfehlung, entweder für die Brutto-Entgeltumwandlung oder für die betriebliche Riesterrente. An diese Empfehlung ist der Mitarbeiter allerdings nicht gebunden, denn letztlich entscheidet er selbst, welche Variante er wählt. Darüber hinaus kann der Mitarbeiter mit dem Optimierungsrechner sehen, welche Rentenleistungen er aus heutiger Sicht in Zukunft einmal erwarten kann. Am Ende des Prozesses steht der Vertragsabschluss, der ebenfalls online über das Siemens Altersvorsorgeportal erfolgt.

Welche Vorteile bietet das Altersvorsorgeportal dem Unternehmen?

Daniel Eppinger: Natürlich profitieren wir davon, dass wir einen Großteil der Abwicklungs- und Informationsprozesse über das Altersvorsorgeportal und den Optimierungsrechner abwickeln können. Technisch gesehen existiert eine Schnittstelle zwischen dem Portal und dem Pensionsfonds. Insgesamt können wir so die Administrationskosten senken und die Kosten für die Brutto-Entgeltumwandlung und die betriebliche Riesterrente auf gleichem Niveau anbieten. Bislang nutzen die Siemensianer das Portal und den Rechner intensiv. Sie sind mit unseren Online-Prozessen bestens vertraut. Nichtsdestotrotz können sich die Mitarbeiter auch in einem persönlichen Telefongespräch informieren.

Wie legt Siemens die Gelder aus der Entgeltumwandlung an?

Daniel Eppinger: Sowohl die Entgeltbeträge der Brutto-Entgeltumwandlung als auch die der Riesterrente fließen in den Pensionsfonds unseres Versicherungspartners ein. Dabei handelt es sich um eine Beitragszusage mit Mindestleistung, das heißt, der Pensionsfonds garantiert, dass zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Dadurch, dass wir keinen Höchstrechnungszins, der aktuell ohnehin nur noch bei 0,9 Prozent liegt, garantieren, hat der Pensionsfonds eine größere Flexibilität bei der Anlage der Beiträge. Das ist besonders in einem Niedrigzinsumfeld sinnvoll.

Wie funktioniert die Kapitalanlage über den Pensionsfonds?

Daniel Eppinger: Innerhalb des Pensionsfonds gibt es zwei Töpfe, so dass sich die Leistungen für die Mitarbeiter am Ende auch aus zwei Komponenten zusammensetzen, nämlich aus dem klassischen Sicherungsvermögen, das die garantierte Mindestleistung finanziert, und aus dem chancenorientierteren Vermögensteil, dessen Kapital mit einer Multi-Asset-Strategie angelegt wird.

Wie gestaltet sich die Rentenleistung später in der Leistungsphase?

Daniel Eppinger: Das Besondere an der neuen Entgeltumwandlung ist, dass die künftigen Rentner von Anfang an eine höhere Rentenleistung erwarten dürfen. Während andere Vorsorgepläne mit steigenden Renten in höherem Alter kalkulieren, wollen wir unseren Betriebsrentnern lieber direkt in der Startphase höhere Leistungen zukommen lassen. Dabei handelt es sich um eine bei Renteneintritt festgelegte garantierte Monatsrente, die sich aus den eingezahlten Altersrentenbeiträgen speist. Hinzu kommt eine Sofort-Überschussrente, die allerdings von der Performance des Kapitalmarkts abhängt, die somit Schwankungen unterliegt und nicht garantiert werden kann. Bei der betrieblichen Riester-rente muss die Leistung als monatliche Rente erfolgen, während bei der Brutto-Entgeltumwandlung auch eine Kapitalauszahlung zu Beginn der Rentenphase möglich ist.

Ab wann ist die neue Entgeltumwandlung für die Mitarbeiter offen?

Daniel Eppinger: Die Entgeltumwandlung ist zum 1. Januar 2019 angelaufen und Teil unseres Altersvorsorgeangebots, dessen Kern immer noch die arbeitgeberfinanzierte, beitragsorientierte Siemens Altersvorsorge ist. Und obwohl wir das neue Entgeltumwandlungsmodell erst seit wenigen Monaten anbieten, darf ich schon jetzt sagen, dass es von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr gut angenommen wird.

Das Interview führte Dr. Guido Birkner.