3. Preis in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen: BRAND GMBH + CO KG

Interview mit Kars Herrmann, Director Human Resources & Legal, und Sylvia Steiniger, Personalreferentin, beide BRAND GMBH + CO KG

Fotoquelle: Deutscher bAV-Preis.

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Herr Herrmann und Frau Steiniger, was macht BRAND?

Kars Herrmann: Wir stehen nicht nur für die BRAND GMBH + CO KG mit Sitz in Wertheim, sondern zu unserer Unternehmensgruppe gehören noch die VACUUBRAND GMBH + CO KG, ebenfalls aus Wertheim, und die VITLAB GmbH aus Großostheim. Das neue bAV-Modell haben wir für die gesamte Gruppe eingeführt. Das Kerngeschäft von BRAND ist die Herstellung von Laborgeräten, insbesondere die von Liquid-Handling-Geräten, von Volumenmessgeräten aus Glas und Kunststoff sowie von Produkten für den Life-Science-Bereich. Unsere Schwestergesellschaft VACUUBRAND produziert weltweit die umfassendste Produktfamilie zur Vakuumerzeugung, Vakuummessung und Vakuumregelung für den Grob- und Feinvakuumbereich im Labor. Unsere dritte Gesellschaft VITLAB ist ebenfalls im Bereich Liquid Handling tätig und stellt Zylinder, Messbecher und Messkolben aus Kunststoff her. In vielen Segmenten gehören wir zu den Weltmarktführern und sind ein Hidden Champion.

Wie groß ist die Unternehmensgruppe?

Sylvia Steiniger: Insgesamt beschäftigen wir rund 1.000 Mitarbeiter in unseren vom Inhaber Dr. Christoph Schöler geführten Unternehmen, ungefähr die Hälfte davon bei BRAND. Die allermeisten Mitarbeiter sind in Deutschland angestellt. Hinzu kommen circa 150 Kollegen aus dem globalen Vertriebsgeschäft, vor allem in den USA, China, Indien und Großbritannien. Unsere Belegschaft setzt sich hinsichtlich der Profile, Rollen und Qualifikationen sehr unterschiedlich zusammen. Wichtig ist uns, dass wir mit 10 Prozent eine hohe Ausbildungsquote haben. Die BRAND INTERNATIONAL GMBH ist unsere Shared-Service-Gesellschaft für die Bereiche Finanzen, Controlling, HR, Legal und IT.

Wie sah das Angebot von BRAND in der betrieblichen Altersversorgung bislang aus?

Kars Herrmann: Wir bieten unseren Mitarbeitern seit den 1980er Jahren eine arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung an. Es handelt sich um eine beitragsorientierte Zusage über eine Direktversicherung. Die Mitarbeiter konnten darüber auch von Anfang an Entgelt umwandeln. Durch die Wahl der Direktversicherung als Durchführungsweg hatten wir die Beträge niemals in der Bilanz stehen. Unsere Pläne für die bAV schließen wir immer in Einzeltranchen mit jeweils zehnjähriger Laufzeit ab. Führungskräften und Spezialisten bieten wir separat eine Betriebsrente über eine arbeitnehmer-finanzierte Unterstützungskasse an.

Sylvia Steiniger: 2016 haben wir die aktuelle Tranche eingeführt. Sie ist immer noch arbeitgeberfinanziert, sieht aber einige neue Parameter vor. So sind die Voraussetzungen für die Aufnahme einfacher als bislang. Auch haben wir die Dynamisierung der Versorgungsleistung verbessert. Konkret werden neue Mitarbeiter heute bereits nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit in das Versorgungswerk aufgenommen. In der Vergangenheit galten dafür Fristen von drei oder fünf Jahren. Heute sind alle Mitarbeiter unserer Gruppe in Deutschland berechtigt, an der neuen bAV teilzunehmen. Eine weitere Neuheit ist die uneingeschränkte Portabilität. Die war bei den früheren Tranchen in unserer Direktversicherung nicht möglich, aber jetzt in der versicherungsrechtlichen Lösung schon.

Wie ist die neue bAV von BRAND konkret ausgestaltet?

Kars Herrmann: Unser neues Matchingmodell ist im Dezember 2018 live gegangen. Es sieht eine gemeinsame Finanzierung in zwei Schritten vor. Im ersten Schritt wandelt der Arbeitnehmer wahlweise in Stufen von 0,5 oder 1 Prozent sein beitragsfähiges Einkommen in eine Altersvorsorge um, und der Arbeitgeber geht dann im zweiten Schritt in gleicher Höhe mit. Wenn der Arbeitnehmer mehr als 1 Prozent seines Einkommens umwandelt, dann matcht der Arbeitgeber den Betrag oberhalb von 1 Prozent nicht mehr. Zudem gilt eine Deckelung unserer Matchingbeiträge bei 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Deutschen Rentenversicherung. Eine weitere Besonderheit hatten wir im vergangenen Jahr, denn da konnten unsere Mitarbeiter beim Matching sogar die Jahresbeiträge vom Arbeitgeber für zwei Jahre bekommen, weil wir das neue Modell bereits für 2017 angekündigt, aber erst 2018 realisiert haben. Jeder Mitarbeiter kann jährlich neu entscheiden, wie viel Entgelt er umwandeln will.

Sylvia Steiniger: Beim Matching erhält der Arbeitnehmer noch einen tariflichen Zuschuss. Dabei handelt es sich um bis zu 613,55 Euro pro Jahr, die der Arbeitgeber freiwillig auf die Entgeltumwandlung des Mitarbeiters drauflegt. Damit ist die Entgeltumwandlung sehr lukrativ, und das schlägt sich in unserer Teilnahmequote nieder. Haben vor der Einführung des neuen Modells lediglich 84 Mitarbeiter Entgelt umgewandelt, sind es jetzt 170, also doppelt so viele. Bei VACUUBRAND konnten wir durch Neuanmeldungen einen Anstieg der Teilnahme von 28 auf 78 Personen verzeichnen, bei VITLAB von einer auf 15, bei BRAND INTERNATIONAL von 16 auf 37.

Wie sieht die Auszahlung aus?

Kars Herrmann: In der Vergangenheit haben wir die bAV-Leistungen stets in Einmalzahlungen abgewickelt. Heute haben die Beschäftigten daneben die Option einer Rentenauszahlung. Der Leistungsbeginn ist an das Regelrenteneintrittsalter geknüpft. Wir haben das Matchingmodell in unserer neuen bAV gezielt so gewählt, dass unsere Mitarbeiter vom Plan profitieren – und nicht ein Dienstleister. Deshalb haben wir den Plan für uns auch möglichst einfach strukturiert. Aus meiner Sicht mangelt es der bAV in Deutschland vor allem an Einfachheit.

Sie haben bereits auf die deutlichen Teilnahmezuwächse bei der Entgeltumwandlung hingewiesen. Das ist sicher auch auf erfolgreiche Kommunikation zurückzuführen.

Sylvia Steiniger: Ja, wir haben rund 25 Informationsveranstaltungen und weit über 100 Einzelgespräche durchgeführt. Bei diesen Terminen konnten wir mit den Mitarbeitern auch über offene Fragen sprechen. Dabei ging es insbesondere um die Flexibilität der Beiträge. Wir haben in diesen Gesprächen wieder festgestellt, dass die bAV für unsere Unternehmen der passende Benefit ist, denn wir verzeichnen permanent eine niedrige Fluktuationsquote im unteren einstelligen Bereich. Unsere Mitarbeiter bleiben also jahrelang bei uns und sind sehr loyal. Das werten wir auch als Belohnung für unsere Fürsorge ihnen gegenüber.

Das Interview führte Dr. Guido Birkner.