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Ein Gespräch mit William Eggers, Leiter Grundsatzfragen und Entgeltmanagement bei der Schaeffler AG

Fotoquelle: William Eggers.

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Herr Eggers, Sie leiten beim Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler den Bereich Grundsatzfragen und Entgeltmanagement. Welche Aufgaben umfasst Ihr Jobprofil?

William Eggers: Meine Aufgaben sind verschiedenartig, und sie laufen auf verschiedenen Ebenen ab. Ich bin zunächst für Grundsatzfragen im Bereich Entgelt und Compensation & Benefits zuständig. Hinzu kommt die globale Zuständigkeit für das Grading und das Pensions-Management. Auch bin ich für das Ideenmanagement und für Labour-Relations verantwortlich. Diese Aufgaben haben eine politische, eine finanzielle, eine rechtliche und eine betriebswirtschaftliche Dimension.

Was macht die Arbeit in einem Familienunternehmen wie Schaeffler für Sie besonders spannend?

William Eggers: Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn sowohl die Corporate- als auch die Consultingseite kennengelernt. Als börsennotiertes Familienunternehmen ist Schaeffler für mich eine ganz neue Erfahrung. Hier habe ich vor zwei Jahren begonnen. Das Unternehmen mit seinen rund 92.000 Mitarbeitern setzt auf langfristiges Denken und Nachhaltigkeit als zentrale Werte. Auf der einen Seite sind wir aufgrund der Börsennotierung sehr transparent und unterliegen den Anforderungen der Finanzberichterstattung. Zugleich prägen aber die Mitglieder der Unternehmerfamilie nach wie vor stark die Kultur von Schaeffler.

Wie muss man sich die Arbeit für Compensation & Benefits bei Schaeffler vorstellen?

William Eggers: Mein Team umfasst insgesamt circa 25 Personen im In- und Ausland. Der Bereich Compensation & Benefits hat zwei Kernaufgaben. Die eine ist klassische Governance: Wir müssen in der Vergütung die Waage halten und dürfen die Kosten nicht über ein für uns gesundes Maß hinaus steigen lassen. Die andere Aufgabe ist, eine marktkonforme Vergütung zu zahlen, damit wir Toptalente gewinnen und halten können. Dabei fragen wir uns immer wieder, was wir machen können, um besser als andere zu sein. Und wir schauen, wie andere Unternehmen dabei vorgehen. Derzeit verabschieden sich viele große Unternehmen von individuellen Zielen in der variablen Vergütung. Das ist natürlich ein Trend, doch ich stehe Trends grundsätzlich skeptisch gegenüber. Es geht uns nicht darum, anderen hinterherzulaufen, sondern maßgeschneiderte Lösungen für unser Unternehmen zu finden, die zu unserer spezifischen Kultur, zur Branche und zum Marktumfeld passen. Wir bei Schaeffler machen uns vielmehr Gedanken darüber, wie wir unser Vergütungssystem und unsere Benefits möglichst intelligent und flexibel gestalten können, um besser auf die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter einzugehen.

Welche Herausforderungen für den Bereich Compensation & Benefits bei Schaeffler stehen aktuell auf Ihrer Agenda?

William Eggers: Für uns steht vor allem Projektarbeit an. Wir implementieren in diesem Jahr erstmals einen globalen Jobkatalog. Die Vorarbeiten dafür haben wir 2018 durchgeführt, jetzt werden wir den Katalog einführen. Weiterhin arbeiten wir mit an der Digitalisierung des HR-Ressorts. Alle HR-Programme und -Systeme werden in ein cloudbasiertes System übertragen. Das bedeutet für uns, Prozesse neu zu designen und zu restrukturieren, um sie in einer Cloud zentral steuern zu können. Auch im Tarifbereich gibt es große Veränderungen. Wir führen jetzt die Tarifbindung zum Beispiel für unseren Standort im badischen Bühl ein. Dazu stehen wir immer im intensiven Austausch mit den Tarifpartnern.

Wenn Sie einmal über Schaeffler hinausblicken: Welche neuen Trends für Compensation & Benefits erwarten Sie in den kommenden Jahren?

William Eggers: Natürlich wird die Digitalisierung die operativen Aufgaben im Compensation & Benefits-Bereich grundlegend verändern, aber nicht so sehr die strategischen. Dies ist eine Entwicklung, die grundsätzlich alle Fachbereiche im Unternehmen betrifft. Schaeffler baut zum Beispiel gerade ein Shared-Service-Center in Polen auf als eine Maßnahme, die diesem Trend Rechnung trägt.

Kommen wir zum Ende des Gesprächs auf Sie persönlich und auf Ihre berufliche Laufbahn zu sprechen. Wie sind Sie in den Compensation & Benefits-Bereich gekommen? Und welche beruflichen Stationen haben Sie seitdem absolviert?

William Eggers: Ein Berufsweg im Compensation & Benefits-Umfeld ließ sich Anfang der neunziger Jahre in Deutschland noch viel weniger planen als heute. Doch selbst heute gibt es bei uns keinen Studiengang, der junge Menschen auf eine Tätigkeit als Compensation & Benefits-Manager vorbereitet. Nach wie vor gelingt ein Einstieg nur über eine Unternehmensberatung oder direkt on the job. Ich selbst habe mein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Außenwirtschaft 1991 an der EBS in Oestrich-Winkel abgeschlossen. Damals war es für mich reizvoll, in die neuen Bundesländer zu gehen und Aufbauarbeit zu leisten. Deshalb habe ich zunächst bei einer kleinen Unternehmensberatung in Magdeburg als Consultant begonnen. Auf meiner nächsten Station habe ich mich intensiv mit Pensions-Management beschäftigt und dort beraten. So kam ich zu Towers Perrin und durfte mich mit Executive Rewards und Long-Term-Plänen beschäftigen. Dieses Thema war damals neu in Deutschland, es gab zunächst noch nicht einmal einen rechtlichen Rahmen, um diese Art Pläne sinnvoll umzusetzen. Damals durfte ich Konzerne wie Daimler und Schering beraten und war bei Compensation & Benefits angekommen. Der Daimler-Konzern hat mich dann für seinen Teilkonzern debis abgeworben. Dort habe ich mich um die Vergütung von Führungskräften gekümmert. Schließlich bin ich für Daimler Financial Services einige Jahre in die USA gegangen und war unter anderem Personalleiter für Südamerika. 2007 bin ich als Global Head of Compensation & Benefits bei der Linde AG nach Deutschland zurückgekehrt. Daran schlossen sich fast sieben Jahre in der Unternehmensberatung Hay Group an, bei der ich als Senior Vice President für die Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung zuständig war. Dieser Weg, der mich inzwischen zu Schaeffler geführt hat, ließ sich im Vorfeld natürlich überhaupt nicht planen, aber mit jeder Station haben sich neue Chancen im CB-Umfeld eröffnet.

Das Interview führte Dr. Guido Birkner.