New Work, New Pay, New Benefits

Agile Arbeitsstrukturen brauchen neue Vergütungsmodelle

Von George Wyrwoll

Fotoquelle: © Sodexo.

Beitrag als PDF (Download)

Die Arbeitswelt verändert sich überaus dynamisch: Digitalisierung, Demographie, Flexibilisierung der Arbeitsstrukturen und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit kennzeichnen als Schlagworte die vielfältigen Herausforderungen, denen sich Unternehmen aktuell ausgesetzt sehen. Dabei ist den Compensation & Benefits-Abteilungen längst klar, dass die neue Arbeitswelt auch neue Vergütungsmodelle braucht.

Im Zusammenhang mit den starken Neustrukturierungs- bzw. Wandlungsprozessen in den Unternehmen gewinnt der Begriff des agilen Arbeitens immer mehr an Gewicht. New Work und Agilität sind die Metaerfolgsfaktoren der digitalen Transformation und beschreiben eine neue kollaborative Form des Zusammenarbeitens und die schnelle und flexible Anpassungsfähigkeit der Organisationen an sich verändernde Rahmenbedingungen.

Dass es gute Gründe gibt, agiles Arbeiten voranzutreiben, bestätigt das Sodexo Agilitäts-Barometer, für das Sodexo im Rahmen einer repräsentativen Studie rund 300 Personalentscheider in Leitungsfunktionen in deutschen Unternehmen befragte. Unternehmen, die bereits agile Arbeitsmethoden einsetzen, profitieren besonders in drei Bereichen: 47 Prozent der Befragten berichten, dass die Produktivität stieg, 38 Prozent konstatieren eine verbesserte Qualität, und 28 Prozent verzeichnen eine Steigerung der Teammoral – ein voller Erfolg! Während heute nur 52 Prozent der befragten Unternehmen Incentives und Gehaltsextras zur Leistungsmotivation einsetzen, können sich 78 Prozent der HR-Entscheider vorstellen, zukünftig verstärkt variable Gehaltsbestandteile einzusetzen, um Mitarbeiter für agile Veränderungsprozesse zu incentivieren.

Welche innovativen neuen Leistungen braucht es?

Neben sinnstiftender Arbeit und flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsorten werden seit längerem schon verstärkt flexible Vergütungsmodelle diskutiert. Das wissenschaftliche Institut der AOK zählt die Tatsache, dass ein Unternehmen neben dem Gehalt gute freiwillige Sozialleistungen bietet, zu den besonders relevanten Aspekten der Unternehmenskultur. In Befragungen zeigt sich, dass Mitarbeitern dieser Punkt wichtiger ist als die Möglichkeit, auf relevante Entscheidungen im Unternehmen Einfluss zu nehmen. Ein ausgewogener Mix aus betrieblichen Sozialleistungen in einem Cafeteriamodell steht für ein fürsorgendes Unternehmen. In freiwilligen Sozialleistungen wird die Unternehmenskultur konkret greifbar. Und wird diese als gut und stimmig erfahren, erhöht dies laut AOK-Institut signifikant die Resilienz der Mitarbeiter.

Dabei sind Zusatzleistungen keineswegs eine Erfindung der letzten Jahre, sondern haben in Deutschland eine lange Tradition: Der Pionier der Zündkerzenindustrie, Robert Bosch (1861–1942), war diesbezüglich ein Vorreiter. Bosch kümmerte sich um gesunde Arbeitsbedingungen und gewährte schon ab den 1880er Jahren vergleichsweise hohe Löhne und innovative betriebliche Sozialleistungen wie Erfinder- und Leistungsprämien, Kranken-, Unfall- und Lebensversicherungen. Wie Alfred Krupp oder Werner von Siemens baute Bosch zudem Werkswohnungen – ein Konzept, das aktuell die Deutsche Bahn aufgreift, um Mitarbeitern und insbesondere Auszubildenden bezahlbaren Wohnraum anzubieten.

Wer heute in Zeiten des Fachkräftemangels und sinkender Schülerzahlen auf dem Arbeitsmarkt punkten will, braucht ebenfalls gute Argumente, nämlich attraktive Beschäftigungsbedingungen und moderne Sozialleistungen. Noch ein weiterer Punkt schafft Handlungsdruck: Deutschland ist eines der Länder, mit der höchsten Alterungsgeschwindigkeit weltweit. Aktuell beträgt das Durchschnittsalter der Bevölkerung rund 47,1 Jahre. Alle zwei Jahre erhöht sich der Altersdurchschnitt um ein weiteres Jahr. Wir werden also älter und kommen zu einer längeren Lebensarbeitszeit. Das wirft die Frage auf, wie Unternehmen die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter sichern können.

Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter sichern

Hier geht es um die Weiterentwicklung von Kompetenzen und Qualifikationen, die Förderung der Motivation und Identifikation der Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber sowie die Sicherung von Gesundheit und Wohlbefinden. Natürlich liegt hier vieles im Verantwortungsbereich der Mitarbeiter selbst, doch Unternehmen kommen nicht umhin, in diesem Bereich gestaltend mitzuwirken. Gerade dann, wenn es um die Sicherung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit geht, kommt der Gestaltung der Pausen eine besondere Bedeutung zu.

So essen 92 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland während der Arbeitszeit etwas, wie eine Erhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft belegt. Essen sichert die Leistungsfähigkeit und Produktivität. Und essen muss jeder. Daher hat die Verpflegung am Arbeitsplatz aus Arbeitnehmersicht verständlicherweise einen ganz besonderen Stellenwert.

So verfügt beispielsweise ein weltweit bekannter Leuchtmittelhersteller in seiner Zentrale in München über eine Kantine. Mitarbeiter an Filialstandorten erhalten aus Gleichbehandlungsgründen arbeitstäglich einen steuerfreien Essenszuschuss in Scheckkartenform und können sich auf diese Weise flexibel verpflegen. Pro Jahr können Mitarbeiter so über 1.400 Euro ohne Abzüge von Steuern und Lohnnebenkosten erhalten. Seit Jahresbeginn erlaubt der Gesetzgeber auch die Bezuschussung von Mitarbeitern in Home-Office und in Teilzeit.

Mit Microsoft, dem Software- und Hardwarehersteller, hat Sodexo eine globale Partnerschaft geschlossen und verpflegt in Deutschland die Mitarbeiter direkt an den Microsoft-Firmenstandorten. Microsoft setzt dar-über hinaus noch einen Benefits-Pass als Sachbezugslösung ein. Mit der im Firmendesign individualisierbaren Karte können Mitarbeiter steuerfrei bis zu 44 Euro pro Monat im Rahmen der gleichnamigen Sachbezugsfreigrenze erhalten. Alexander Uelsberg, HR-Manager Microsoft, lobt das Verfahren als echte administrative Erleichterung für das Unternehmen und die Mitarbeiter.

Flexible Arbeitsmodelle und eine bessere Work-Life-Balance

Zusatzleistungen und Angebote, die den Mitarbeiter sowohl am Arbeitsplatz als auch in seiner Freizeit entlasten und fördern, werden künftig im Compensations- und Benefits-Mix der Unternehmen eine viel gewichtigere Rolle einnehmen. So wie Arbeit und Freizeit heute verschmelzen, werden künftig auch die Entlohnungsmodelle der Firmen nicht mehr mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes enden, sondern auch die privaten und familiären Bedürfnisse der Mitarbeitenden in den Blick nehmen und stärker auf die Verbesserung der Lebensqualität der Beschäftigten abzielen. Die betrieblichen Zusatzleistungen sind insofern ein wichtiger Bindungsfaktor, um den Beschäftigten immer wieder die Fürsorgeleistung des Arbeitgebers sichtbar zu machen, wenn andere Bindungsfaktoren zurückgehen, weil zum Beispiel längst nicht mehr alle Mitarbeiter immer im Unternehmen vor Ort sind, weil sie im Home-Office arbeiten oder weil Schichtdienst und Co-Working-Modelle existieren.

Hier ermöglichen betriebliche Zusatzleistungen einen wichtigen Brückenschlag in den Alltag. Mitarbeiter nehmen ihren Arbeitgeber als fürsorgliches Unternehmen wahr. Sport- und Wellnessangebote, flexible Arbeitsmodelle, Energiebezug, Stromdeputat, Kinderbetreuung, Firmenhandy, Tankkarte, Essenszuschuss und weitere steuerfreie Zusatzleistungen, Versicherungsleistungen sowie Beteiligungsmodelle werden dann zum festen Vergütungsmix der meisten Firmen gehören. Die Bandbreite und Auswahlmöglichkeit der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Zusatzleistungen werden in Zukunft maßgeblich die Bindung flexibel arbeitender Beschäftigter mitbestimmen.

Insofern werden New Pay und New Benefits zum immer entscheidenderen Wettbewerbs- und Standortfaktor, um neue Mitarbeiter zu gewinnen, um gut ausgebildetes Personal zu binden und um dessen Motivation zu fördern. Unternehmen beschäftigen sich aktiv mit der Digitalisierung und machen sich Gedanken, wie Prozesse und Strukturen angepasst und neue Geschäftsmodelle gefunden werden können. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch soziale Innovationen braucht. Erfolgreiche Unternehmen gehen hier mit gutem Beispiel voran, erweitern aktiv das Spektrum an betrieblichen Sozialleistungen und stärken so ihre Arbeitgeberattraktivität und Zukunftsfähigkeit.

George Wyrwoll,
HR-Experte und Head of Communications
Sodexo Benefits and Rewards Services
George.Wyrwoll@sodexo.com
www.sodexo-benefits.de